Kunst für die Ewigkeit
Shownotes
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00:00:01: Reif fürs Museum.
00:00:04: Der Podcast der Lübecker Museum.
00:00:11: Wenn wir ins Museum gehen, dann sehen wir ja Werke, die oft viele Jahrhunderte alt sind.
00:00:16: Und trotzdem wirken sie in der Regel noch ganz frische und lebendig.
00:00:21: Und wir sind jetzt an einem Ort im Museum, wo gewissermaßen gegen die Zeit gearbeitet wird, wo die Kunst fit für die Ewigkeit gemacht wird.
00:00:29: in der Restaurierungswerkstatt.
00:00:30: Und
00:00:30: da kommt man ja als Besucherin oder Besucher normalerweise gar nicht hin.
00:00:34: Ja
00:00:34: selten.
00:00:35: Genau, der Eingang befindet sich auf der Rückseite des Sand-An-Museums.
00:00:40: Die Adresse hat den schönen Namen an der Mauer Hundertvierundvierzig.
00:00:44: Das
00:00:44: ist sehr urig, man geht da durch sein großes Tor durch.
00:00:47: und hier arbeiten gewissermaßen die Heldinnen und Helden des kulturellen Erbes, denn die Restauratorinnen befreien unsere Kunstwerke ja nicht nur von Schmutz und den Spuren vergangener Jahrhunderte.
00:00:59: Sie schützen sie auch vor der größten Bedrohung dem unauffaltsamen Verfall.
00:01:05: und wir sind jetzt hier verabredet mit Karin Schulter.
00:01:09: Sie ist hier Restauratorin.
00:01:10: Moin Karin.
00:01:11: Moin.
00:01:13: Wir stehen ja hier in einem großen, hellen Raum, ziemlich vollgestellt mit Kunstwerken.
00:01:20: Ihr habt hier auch Schilder aufgestellt, da sehe ich schon, Achtung, Kunst, nichts drauflegen.
00:01:25: Also man muss sich...
00:01:26: Nur eine Atemmaske liegt drauf, aber die ist wahrscheinlich leicht genug, um es nicht zu zerstören.
00:01:29: Man muss sich ja also vorsichtig bewegen in diesen Räumen.
00:01:33: Ja, vorteilhaft.
00:01:34: ist das schon, vor allem weil es oft auch sehr voll ist, also weil wir manchmal einen Abbau haben.
00:01:38: oder zum Beispiel ich jetzt der ganze Tisch voll Objekte, die noch fotografiert werden sollen.
00:01:43: und normalerweise ist es schön, dass man eigentlich ja immer ein Tisch frei hat, aber manchmal ist das auch nicht so und da muss man halt sehen, es benutzen ja mehrere Leute den Raum, dass man dann auch nicht falsch was ablegt.
00:01:54: Das ganz Interessante ist alles hier von bis moderne Malerei an der Wand, aber auch eben Kunst aus den Fünfzehn Jahrhundert.
00:01:59: Schätze ich jetzt mal so auf dem Tisch.
00:02:01: Macht schon Sinn, dann hier Zettel zu drucken.
00:02:04: Achtung Kunst, nichts drauflegen.
00:02:06: Ja.
00:02:07: Die Kunstwerke, die kriegen ja hier so eine Art, jetzt muss mal in die Alltagssprache, die Alltagsvorstellungen zu übertragen, so eine Art Hörleronkur oder so eine Faltenunterspritzung.
00:02:17: Was passiert denn hier ganz genau in der Restaurierungswerkstatt?
00:02:21: hauptsächlich konservieren wir er, also es geht hauptsächlich um den Erhalt von Substanz und da in dem Falle ist es dann ganz oft nur ganz rudimentär Reinigung und Festigung.
00:02:32: und wenn ich was festige, ist es natürlich erstmal die Absicherung, dass mir bei der Reinigung, wenn ich jetzt mit dem Pinsel drüber was abstaube oder so, dass mir nicht irgendwelche losenschollen abfallen, also das ist immer ganz wichtig und das ist manchmal auch viel aufwendiger als man denkt.
00:02:45: Also man kann, ob das jetzt Gemälde sind oder auch Skulpturen, man guckt sich die erstmal an.
00:02:50: am besten im Streiflicht, dann sieht man, ob da... Was ist Streiflicht?
00:02:53: Von der Seite, Licht von der Seite, so dass man, also wenn man jetzt eine Taschenlampe von der Seite dran hält, sieht man ja ganz oft das... die Erhebungen so ein bisschen weiter rauskommen.
00:03:02: Also wenn sich jetzt zum Beispiel eine Blase bildet, dann sehe ich die mit Streiflicht viel besser, als wenn ich jetzt nur so grob drauf gucke.
00:03:08: Und dann kann man auch noch bei manchen Stellen, ist es auch sinnvoll, wenn man drauf klopft.
00:03:13: Also nicht auf alles drauf klopfen, was schon lose hängt, aber bei manchen Fällen, das ist ein bisschen Erfahrungswert, kann man zum Beispiel auch darauf achten, wie sich das anfühlt oder wie es klingt.
00:03:23: Also wenn es ein bisschen hohler klingt, dann hat sich da drunter eine Blase gebildet.
00:03:26: Und dann sieht man natürlich immer zu, dass man bevor größere Schäden entstehen, einfach schon kleine Schäden verhindert, indem man dann Festigungsmittel unter diese Stellen einbringt und das dann ein bisschen wieder festdrückt.
00:03:38: Hört sich für mich als Laie jetzt sehr sinnvoll alles an.
00:03:42: Karin, ihr seid ja hier mehrere Restauratorinnen und Restauratoren, gibt es auch Männer?
00:03:47: Es gibt
00:03:48: auch ein Restaurator, ja.
00:03:49: Genau, wie viele seid ihr insgesamt?
00:03:52: Ja, fünf, also das ist ja so ein Museumsverbund, aber direkt im Haus wären es jetzt vier.
00:03:57: und sonst für das Bienen hat er auch noch.
00:03:59: Genau, also fünf seid ihr.
00:04:00: Karin, auf welchem Bereich hast du dich spezialisiert?
00:04:04: Man spezialisiert sich eigentlich schon im Studium und meinen Fachbereich ist gemälde Skulptur gewesen.
00:04:09: Also das heißt gemälde auf Leinwand und Holz und Skulptur, wenn es eine gefasste Holzskulptur ist.
00:04:16: Das heißt gefasst, Fassung sagt man immer, wenn es bemalt ist.
00:04:19: Also ich würde jetzt nichts, was holzig dich ist und es ist dann auch nicht mehr in der Möbelbereich zum Beispiel.
00:04:24: Dafür habe ich dann einen Kollegen, der das macht.
00:04:27: Okay, habt ihr gut aufgeteilt?
00:04:29: Mit welchen Hilfsmitteln arbeitet ihr hier?
00:04:31: Also habt ihr irgendwelche analytischen, so frenzischen Methoden, mit denen gearbeitet wird?
00:04:36: Oder sind das Pinsel in erster Regel?
00:04:39: oder wie funktioniert das?
00:04:40: Naja, wir haben schon ein paar Hilfsmittel, die auch jetzt nicht nur so einzelnes spezielles Werkzeug ist.
00:04:46: Also man hat zum Beispiel, was der ja total oft im Gebrauch ist, ein kleiner Heizspachtel.
00:04:50: Das muss ja nicht so ein kleines mini-mini-Bügel eisen, was natürlich auch nicht so heiß wird wie ein Bügeleisen.
00:04:54: Also richtig
00:04:54: wie so ein kleiner, beheizter
00:04:56: Spachtel, der so vorne ein bisschen warm wird.
00:04:58: Also die ganzen meisten Mittel brauchen so um die sechzig Grad, also gerade, ob jetzt wächst schon ein bisschen eher oder Festungsmittel trocknen und alles, was zu heiß ist, natürlich nicht gut für die Oberflächen.
00:05:08: Aber grundsätzlich kann man auch punktuell einstellen, dass der dann halt weniger oder mehr warm ist und damit kann man dann zum Beispiel Flächen trocken bübeln oder Niederlegen, Blasen.
00:05:18: Also das ist so ein beliebtes spezielles Werkzeug.
00:05:21: Dann hat man ganz viel so zum Teil vom Zahnarzt-Sonden, die man sich dann leidet.
00:05:25: Man hat ganz viel so schreiner Kram, was man braucht, ein normales Werkzeug, Mini-Sägen oder was auch mal.
00:05:31: Also also was wir nutzen können.
00:05:32: Dann einen ganzen Bereich Pinsel und Co.
00:05:35: oder Color Shaper, die kann man auch benutzen, um was niederzulegen, weil die ja so mit Silikonspitze vorne sind.
00:05:40: Und dann haben wir aber auch ein bisschen mehr High-Tech, also was hier ganz schön ist, wir haben ein wunderbares Mikroskop von Leica mit super Ausstattungen, kann man auch mit ein Computer anschließen und dann die Bilder auch bearbeiten und mit Maßstab.
00:05:55: Das ist dann das modernste Hilfsmittel, das ihr hier nutzt?
00:05:59: Ja, also das ist ziemlich heil, aber auch unsere Infrarotkamera, die ja auch wunderbar ist und auch erst seit fünf, sechs Jahren hier im Haus ist.
00:06:09: Und das ist natürlich auch besonders, nicht nur teures, sondern auch besonders hilfreiches Werkzeug, weil man kann durch Infrarotstrahlung halt durch die erste, also durch die Mahlschicht bis zur Grundierung durchstrahlen.
00:06:21: Also das ist ja wie so... rote Strahlung, Wärmelampen sozusagen.
00:06:24: Also es ist nichts, was böse ist.
00:06:26: Und man kann aber durch die Reflexion von der Grundierung sehen, was der Künstler vorher entworfen hat.
00:06:33: Also wenn jetzt ein Kohlenstoffhaltiges Material wie eine Cola oder so eine Zeichnung auf der Grundierung liegt, dann kann man durch die Malschicht durchleuchten und sieht dann diese Zeichnung.
00:06:44: Und auch früher wurde schon ganz oft auch was unterzeichnet.
00:06:47: Also hat entweder ein Meister selbst oder er hatte manchmal nur so Angaben, so hier grün, hier blau oder ganz schnell oder auch ganz detailliert vorgezeichnet.
00:06:55: Und wenn man das dann wieder sichtbar machen kann, kann man das natürlich auch super nutzen, um ein bisschen Stilkunde zu betreiben, ob das jetzt ein bestimmter Umkreis ist oder ob das bestimmter Künstler sogar ist.
00:07:06: Und man kann durch Infrarot auch super sehen, ob eine Tafel geschädigt ist, weil auch dadurch sieht man durch die unterschiedliche Reflexion der verschiedenen Materialien.
00:07:14: auch zum Beispiel Ausbesserungen, die man vielleicht mit bloßem Auge gar nicht sofort erkennen kann, weil es das Material ist.
00:07:19: Man kann ja auch was über die Arbeitsweise des Künstlers lernen oder man findet das Bild hinter dem Bild.
00:07:23: Manche Bilder sind ja auch normal worden, das gibt es ja auch.
00:07:25: Das ist so ein richtig so ein bisschen Detektivarbeit, was ihr hier macht.
00:07:28: Ja, manchmal schon.
00:07:29: Also wenn man jetzt eine Untersuchung eine richtig aufwendige macht, schon.
00:07:32: Was wir jetzt zum Beispiel selber nicht machen würden, sind bestimmte Chemie, also bestimmte Untersuchungen, was man jetzt zum Labor weitergeben würde, weil das mache ich ja nicht täglich.
00:07:44: Das wird auch viel zu lange dauern, wenn man jetzt bestimmte Pigment oder ...
00:07:47: Die alte Farbe ist zum Beispiel, so was.
00:07:49: Ja,
00:07:49: Bindemittelanalysen, was womit und so, das macht man woanders.
00:07:52: Taryn, ich sehe gerade, du arbeitest ja auch hier an etwas.
00:07:56: Das ist so eine längliche Tafel, die ist zugedeckt mit Papier, damit wahrscheinlich nichts einstaubt und kein Schmutz draufkommt.
00:08:03: Was ist das?
00:08:03: Können wir uns das mal genauer angucken?
00:08:06: Das ist eine Tafel auch um Fünfzehnhundert.
00:08:08: Das ist eigentlich eine Flügelpaar.
00:08:10: Das habe ich mir aus dem Depot geholt.
00:08:13: Immersent, jetzt kann man mal ein bisschen hochdeckern.
00:08:14: Ihr hört jetzt gerade das Knistern, das Pagamentpapiers?
00:08:17: Genau, das ist das einfach nur.
00:08:19: Sein Papier, was da drauf liegt zum Schutz.
00:08:21: Und ja, im Moment liegt das hier auch abgedeckt, weil ich gerade nicht dazu komme, weil ja auch immer ganz viele Museum auch andere Maßnahmen gerade folgen, die dann auch dringender sind.
00:08:32: Und da hatte ich ursprünglich vor oder habe auch schon angefangen in der Festigung.
00:08:35: Da haben sie halt im Depot ansinnige Blasen gebildet.
00:08:39: Und damit sie nicht abfallen, muss man die halt festigen.
00:08:42: Und das Problem ist aber bei diesen Tafeln speziell, es gibt verschiedene wässrige Mittel, mit denen man das gerne macht.
00:08:48: Und hier ist aber sehr viel mit Wachs auch gearbeitet worden von meinen Vorgängern.
00:08:52: Und deswegen ist das so eine Geschichte.
00:08:53: Das kann man nicht mal eben festigen, sondern man muss noch ein bisschen mehr darüber nachdenken, welches Mittel man wirklich benutzt und ob das so gut plappt und ob das mit Wärme oder ob man die... den Wachs komplett abnehmen kann und so.
00:09:03: Karin, was weiß man dann über diese Tafel?
00:09:06: Die ist ja ungefähr so im fünften Jahrhundert entstanden, wahrscheinlich.
00:09:10: Was sieht man auf der Tafel genau?
00:09:12: Was stellt es da?
00:09:14: Wo hängt die normalerweise?
00:09:16: Also wir müssen uns hier vorstellen, dass es, wie wir auch im Museum ganz viele, wir haben ja ganz viele Schnittsaltere.
00:09:23: Das sind ja Retabelsacken dazu, das sind sozusagen Aufsätze, die auf einem Altar drauf sind und diese Retabels sind alle oder die meisten sind klappbar.
00:09:32: Und außen haben sie oft ein oder zwei Flügelpaare, sodass man immer eine Werktags- und Sonntags-, da streiten sich ja auch alle drum, dass man nicht immer eine Werktags-, also es sind unterschiedliche Ansichten zu bestimmten Zeiten oder Perioden, wann sie geöffnet und geschlossen wurden, die Altäre, oder diese Aufsätze, Diretable.
00:09:47: Und da sind jetzt auch Szenen drauf, das sind immer drei Heiliger, zum Beispiel auf diesem ... Flügelpaar und das ja oft, dass in den Außenseiten oft Heilige drauf sind und in den Mittleren, je nachdem, wofür der Altar steht, dann der Hauptteilige oder Szenen aus dem Leben Maria Christus, was auch immer.
00:10:07: Du arbeitest ja eine Regel an sehr kostspieligen Objekten, sag ich jetzt mal.
00:10:11: Bist du da auch manchmal nervös, wenn du da ran gehst, weil die sind ja teuer, ne?
00:10:15: Und du regst dich ja auch nur einmal da, einmalig in der Kunstgeschichte, da kann ja auch was schiefgehen, oder?
00:10:20: Ja, man sollte schon vorher überlegen, bevor man die Hand anlegt.
00:10:23: Also, ja, ich glaube, wenn man das so lange macht, dann denkt man auch nicht immer permanent darüber nach, was ja auch ganz gesund ist.
00:10:31: Weil wenn ich jetzt irgendwie bei jeder OP als Operateur jetzt schon nervös werde, weil ich dran gehe, das ist natürlich nicht förderlich.
00:10:38: Aber man probiert halt in kleinen Schritten aus.
00:10:41: Man kann das unter dem Mikroskop zum Beispiel kontrollieren oder wir haben eine Lupenbrille.
00:10:45: so, wenn es mal schneller gehen muss oder nicht ganz so vergrößert sein muss und alles, was man im Kleinen macht.
00:10:51: Und was gut läuft, kann man auch im größeren Rahmen machen.
00:10:53: Als Restauratorin muss man kaltblütig sein, das habe ich schon gelernt.
00:10:56: Genau, das ist ja auch
00:10:58: gut.
00:10:58: Aber mit heißem Herzen an der Sache arbeiten.
00:11:00: Karin, wann hängt diese Tafel wieder im St.
00:11:04: Annemuseum?
00:11:05: Die wird auch wieder ins Depot kommen, erst mal.
00:11:10: Wir haben ja relativ viele eine Ausstellung hängen.
00:11:12: Und in diesem Fall ist es, glaube ich, auch so, dass nicht mehr der ganze Altar vorhanden ist oder das geschlossene Ensemble.
00:11:18: Und deswegen hängen jetzt die Flügel erst mal im Depot, weil so viel anderes Schönes draußen gezeigt wird.
00:11:24: Aber vielleicht für irgendeine Ausstellung wird es ja wieder aus dem Depot geholt, das Exponat jetzt.
00:11:29: Ja,
00:11:30: das kann durchaus sein.
00:11:30: Es ist ja auch immer so, dass die Kunsthistorikerinnen runterkommen und irgendwie was vorschlagen, irgendwie was können wir mal aus dem Depot holen, das würde jetzt zu dem und dem ganz gut passen, oder soll ja auch die Dauerstellung ein bisschen... Neu, nicht nur beschriftet, sondern in der Zukunft auch noch mal ein bisschen neu organisiert werden.
00:11:48: Da kommt schon immer was vor, dass man was auch umhängt und so.
00:11:52: Für diese Tafeln glaube ich das jetzt erstmal noch nicht, aber sie sind ja trotzdem gefährdet, wenn dann die Schollen abplatzen.
00:11:59: Ich muss ja trotzdem was tun, auch wenn es keiner sieht, damit es halt nicht verloren geht.
00:12:03: Also wir wollen ja nicht warten, bis die Farbe abfällt und dann muss man halt auch was machen, auch wenn man es jetzt nicht zeigt.
00:12:08: Was ist denn das spektakulärste Objekt, an den du jemals gearbeitet hast?
00:12:13: Schwierige Frage, weil ist ja die Frage, ist das ein spektakulärer Schaden oder ist es ein spektakuläres Werk?
00:12:21: Für wen ist was spektakulär?
00:12:22: Also ein großer Name ist ja nicht unbedingt immer die tollste Bearbeitung oder so.
00:12:27: Also ist ja klar, irgendwie im Praktikum an Rubens hat meine Kollegin gemacht, da durfte ich auch mit irgendwie was arbeiten.
00:12:34: Später habe ich sogar noch einen, aber was gibt es in großen Namen?
00:12:38: Ja,
00:12:38: Peter Paul Rubens ist ja schon...
00:12:40: Ja, also... Ganz gut, ne?
00:12:41: Ja, ein Tindiers oder was auch immer.
00:12:45: Das Mittelalter sind ja auch alles schöne Namen hier, die hängen.
00:12:48: Das ist jetzt aber jetzt unbedingt nicht immer die schönste Bearbeitung.
00:12:54: Also es ist natürlich irgendwie toll, wenn man weiß, dass man dem Werk irgendwie was sehr Gutes getan hat, in dem man es wirklich sehr stabilisiert oder wenn man auch natürlich einen schönen Effekt hat vorher nachher.
00:13:04: Also wenn es wirklich so richtig dreckig war und es ist danach einfach schön sauber und es sieht wieder so aus, wie es ursprünglich ausgesehen hat.
00:13:13: Das ist natürlich auch eine schöne Arbeit.
00:13:15: Da muss es jetzt gar nicht unbedingt ein großer Name sein.
00:13:18: Wo ist denn für dich so die Grenze zwischen Wiederherstellung eines Kunstwerks und der Überrestaurierung?
00:13:23: Es ist ja immer so eine Philosophie.
00:13:26: Macht man vielleicht zu viel, wie entscheidest du das?
00:13:29: Ob man nur die Partien da abträgt und was soll vielleicht erhalten bleiben von den Spuren der Zeit?
00:13:36: Auch ganz unterschiedlich je nach Objekt.
00:13:38: Also ganz oft ist es so, dass ich mich dann entweder mit einer Kollegin unterhalte oder auch mal mit den Kunsthistorikerinnen hier, die dann auch dann meist eine Meinung haben, aber die kann man auch anders überzeugen, wenn man gute Argumente hat, sag ich mal.
00:13:50: Das ist super individuell.
00:13:51: Also sagen wir jetzt bei den letzten Tafeln, bei Magdalena, Schreien da waren, an den Außenseiten.
00:13:58: quasi die Rückseiten, die vorher nicht so beachtet waren und noch nicht restauriert waren, die sahen halt relativ dreckig aus.
00:14:05: Und da waren vor allen Dingen alte Reinigungsproben, das sah dann halt unschön aus, weil da einfach so hellere Flecken waren.
00:14:10: Und dann hat man natürlich schon überlegt, reinigt man jetzt vielleicht die ganzen Rückseiten, damit diese Flecken nicht so auffallen, dass wir jetzt konservatorisch erstmal noch nicht hundert Prozent nötig gewesen, weil sie auch fest waren.
00:14:19: Aber wir haben es dann doch entschieden zu reinigen, damit man diese Proben nicht so doll sieht.
00:14:24: Und das sah natürlich auch viel sauberer aus.
00:14:26: Und dann kann man auch die Darstellung für geschlossener wahrnehmen.
00:14:31: Und dann ist es manchmal auch förderlich, wenn jetzt z.B.
00:14:33: ich mehrere Fehlstellen auf einem Bild habe.
00:14:36: Und das ist ein bisschen fragmentarisch.
00:14:38: Und an diesen Rändern von den Fragmenten ist dann der weiße Kreidegrund so auffällig.
00:14:42: Dann würde ich z.B.
00:14:44: die vielleicht noch holzig dich oder im Umgebungston abtönen, aber ich würde jetzt nicht die ganzen Fehlstellen schließen.
00:14:51: Aber so dann sieht das Auge, bleibt nicht immer in diesen weißen Rändern hängen, aber es zieht sich dann von der Darstellung insgesamt zusammen.
00:14:58: Aber ich habe nicht die ganze Darstellung zum Beispiel ergänzt.
00:15:01: Also es ist immer so ein bisschen abwägen.
00:15:03: Karin, mit wem im Haus arbeitest du hier zusammen?
00:15:07: Wenn entschieden wird, was soll restauriert werden?
00:15:10: Du gehst ja hier wahrscheinlich jetzt nicht durch die Gänge und sagst, Da muss es mal wieder sein oder das ist kein Losverfahren.
00:15:16: Wie macht ihr das?
00:15:18: Also es ist schon auch meine Aufgabe zu gucken, was was hier am nötigsten ist, weil es ist ja auch, ich habe jetzt eine halbe Stelle, das ist ja auch begrenzt, was ich machen kann.
00:15:27: Und dann nimmt man natürlich schon auch das, was am notwendigsten ist.
00:15:29: Da bleibt dann gar nicht mehr so viel Zeit über, dass jemand mir sagen könnte, das müsst ihr jetzt auch noch, kommt natürlich auch vor.
00:15:36: Es ist natürlich auch immer eine Absprache mit Kunsthistoriker und der Chefin.
00:15:38: Klar, aber also so im groben... weiß ich schon, was am nötigsten ist, würde ich sagen.
00:15:45: Ja, es ist dann ja doch der Gang durch die Gänge, ne?
00:15:48: Ja, auch.
00:15:51: Warum hast du dich für diesen Beruf entschieden?
00:15:52: Also ich meine, das ist ein spannender Beruf.
00:15:53: Klar, aber das ist ja jetzt nicht so einer der offensichtlichen Berufe.
00:15:56: Wie bist du darauf gekommen und gab es da vielleicht sogar so ein Schlüsselerlebnis, dass du als Kind mal irgendwo warst in einer Kirche und hast gesagt, Mensch, der Jesus, der fällt ja schon fast auseinander da am Kreuz, der muss doch mal repariert werden oder irgendwie sowas.
00:16:11: Nee, also ich glaube, ich hatte Restaurierung gar nicht so richtig auf dem Schirm.
00:16:16: Ich habe immer gerne als Kind schon so ein bisschen gefrickelt und gebastelt und irgendwie gemalt und konnte mich ganz gut allein stundenlang irgendwo beschäftigen und so.
00:16:24: Und dann haben irgendwie, ich hatte eine Freundin meiner Mutter, hat irgendwie im Archiv gearbeitet, hat mal was über Papierrestaurierung erzählt und dann habe ich irgendwie auch, glaube ich so gesagt, da finde ich auch irgendwie spannend und da hat es mein Bruder mitgekriegt und der hat das dann auf so einer Familienfeier erzählt und er meinte, ich kenne doch jemanden, der da auch arbeitet.
00:16:40: Und dann irgendwie ergab sich so, dass ich dann irgendwie dachte, auch super, wenn da jemand jemanden kennt und da kann man mal nachfragen, dann frage ich mal und dann habe ich irgendwie ein Praktikum, irgendwie ein Ferienmal in der Restaurantswerkstatt im Münster gemacht.
00:16:52: Und dann fand ich super.
00:16:53: Also das war dann gleich so, oh, das ist ja toll.
00:16:55: Das muss ich wieder machen.
00:16:56: Und dann ist das ja eh ein langer Gang, dass man noch ein längeres Praktikum macht und so.
00:16:59: Ja, und wie wird man das dann?
00:17:01: Ist das eine Ausbildung?
00:17:02: Studiert man das?
00:17:02: Das ist
00:17:03: jetzt Bettina als Checker-Tobi-Frage.
00:17:04: Ja,
00:17:04: ich muss nochmal checker-tobi-mäßig.
00:17:06: Museums-Gestervatorin.
00:17:07: Ist das so ein Ausbildungsberuf?
00:17:09: Also Restauratorin wird man, also wenn man studiert hat in der Regel, also es gibt immer auch immer noch so Quereinsteiger, aber ich würde jedem empfehlen, das schon auch irgendwie heute zu studieren.
00:17:18: Das ist so der übliche Gang.
00:17:20: Und bei mir war es früher noch relativ lang.
00:17:24: Also bei mir wurde es gerade von drei Jahren vor Praktikum auf zwei Jahre reduziert.
00:17:27: Mittlerweile ist es, wenn dann überhaupt noch ein Jahr.
00:17:30: Und dann macht man meist eine Aufnahmeprüfung fürs Studium.
00:17:33: Es gibt so vier, fünf Stellen, wo man es in Deutschland studieren kann.
00:17:36: An der Akademie, Hochschule, Fachhochschule.
00:17:39: Technische Hochschule.
00:17:40: Auch sehr unterschiedlich, also die Ausrichtungen sind alles ein bisschen anders auch.
00:17:44: Und wenn man es beworben hat und Platz hat, dann studiert man in der Regel jetzt ja Bachelor Master auch.
00:17:49: Früher war es noch Diplom, also ganz normaler Studiengang.
00:17:53: Wobei das ja schon auch mehr ein bisschen verschult ist, weil man natürlich auch Praxisblöcke und sowas drin hat, weil das ja doch auch so ein bisschen alles abdecken muss und nicht nur rein theoretisch.
00:18:01: Und jetzt mittlerweile ist es ganz oft, dass dann viele Restaurateurinnen oder Restauratoren auch oft noch danach so ein Art Zwischenjahr oder so machen, weil es dann ganz oft irgendwie dann noch nicht so viel Praxis hat.
00:18:14: Die
00:18:15: Restauratoren hat auch das Mikrofon gehauen.
00:18:20: Ja, also auf jeden Fall ist es ein Studiengang und man spezialisiert sich dann auch entsprechend den Fachrichtungen.
00:18:26: Also es gibt Gemäldeskulptur, Holzmöbel, Wandstein, Textilien, Papiergrafik.
00:18:33: Also das ist dann auch im Studium schon.
00:18:36: getrennt.
00:18:37: Und die Bereiche habt ihr ja hier auch am Museum, die du jetzt
00:18:41: aufgezählt hast.
00:18:41: Genau.
00:18:42: Es gibt ein Holz-Restaurator, eine Papier-Restauratoren, drei Gemälde-Restauratoren, die eine fürs Bienhaus.
00:18:49: Wir beide jetzt hier ist noch einmal für mehr moderne.
00:18:52: Also Marie hat ähnliche Ausbildung, aber ist mehr auf moderne spezialisiert und ich mache ja alte Götze.
00:18:58: Die Kollege Marie, die hier im Hintergrund sitzt und arbeitet.
00:19:01: Und wie ist das, arbeitet ihr nur in der Werkstatt hier oder geht ihr auch manchmal vor Ort dann hin und arbeitet am Objekt, da wo es hängt?
00:19:10: Also ich arbeite auch ganz oft am Objekt, wenn es in der Ausstellung ist, weil die Sachen kann man ja gar nicht so mal eben.
00:19:17: rausholen oder runterholen oder abbauen.
00:19:20: Also das wäre dann auch zu, also für diese meist kleineren Maßnahmen dann auch zu viel.
00:19:26: Aber sonst, also klar, wenn man das in die Werkstatt bringen kann, ist das natürlich die besseren Bedingungen.
00:19:30: Hier hat man besseres Licht, kann es irgendwie auf dem Tisch natürlich besser bewegen und so.
00:19:34: Das steht
00:19:35: nicht auf der Leiter oder so.
00:19:36: Genau,
00:19:36: steht nicht auf der Leiter.
00:19:37: Das ist, ja.
00:19:39: Und wie lange wirst du an der Tafel noch arbeiten?
00:19:42: Wenn ich mal wieder zukomme.
00:19:45: Es ist so ein bisschen, das kann man jetzt auch schlecht immer so kalkulieren, weil ich dann ja auch immer nur zwischendurch daran arbeite.
00:19:53: Und dann kann das sein, dass die durchaus noch ein Jahr hier liegt, weil ich ab und zu daran komme.
00:19:57: Und je nachdem, ob ich an sich ist, der Arbeitsschritt vielleicht gar nicht so lang, aber... Es muss ja auch mal da Zeit zu sein.
00:20:04: Du
00:20:05: brauchst die Zeit dazu.
00:20:06: Und du hast ja vorhin sehr schon erzählt, mit was für elektronischen Elementen ihr hier auch arbeitet mit dieser Infrarotkamera und dem technisch sehr hochwertigen Mikroskop.
00:20:18: Gibt es dann hier auch Materialien in der Werkstatt, mit denen ihr arbeitet, die ich auch in so einem normalen Haushalt finde?
00:20:26: Wasser.
00:20:27: Ja, sollte in einer gut sortierten Küche durchaus zu finden sein oder im Badezimmer.
00:20:32: Ja, was wir natürlich selber machen, also so, was sagt man dazu, also Swaps, also wenn man, der Typische, wenn man jetzt noch wie früher dieses, gab es doch mal die Sendung, wo man eine Beruferaten hatte und da muss man eine typische Handbewegung machen.
00:20:47: Und da wäre dann zum Beispiel, dass man so ein Stäbchen aus Holz hätte und ein bisschen Watte, und dann dreht man sich ein Watte-Stäbchen.
00:20:55: Weil wenn wir jetzt immer Q-Tips benutzen würden, werden die nicht immer, also die kann ich ja kleiner und größer drehen, so wie ich das haben möchte, und das wäre ja auch ein Wahnsinnsverbrauch.
00:21:03: Und deswegen ist es so klassisch, dass wir mit diesen kleinen Watte-Pützchen sozusagen dann... viel arbeiten.
00:21:09: Das ist dann auch nicht nur mit wässrigen Mitteln, sondern auch ganz viel mit Lösungsmitteln.
00:21:11: Und die will ich ja auch nicht an der Hand haben.
00:21:13: Schaschlikstäbe und Wattestäbchen für die Kunst.
00:21:16: Das ist doch mal super.
00:21:18: Ja,
00:21:18: und wenn ihr zu Hause selber mal was reinigen wollt.
00:21:20: Vorsicht, glaube ich, oder?
00:21:22: Das
00:21:22: Bild von Oma sowieso.
00:21:24: Karin runzelt hier schon sehr die Augenbrauen.
00:21:27: Ja, was soll man dazu sagen?
00:21:30: Früher sagte man ja, Gemälde einfach mit Brot abreiben, mit Frischem.
00:21:35: Ja, auch schwierig, weil da bleibt dann auch mehr hängen, als dass es sauberer wird unbedingt.
00:21:39: Ich
00:21:39: glaube, das ist nochmal ein ganz eigenes Take.
00:21:41: Da kommen wir nochmal wieder.
00:21:43: Brot in der Kunst.
00:21:44: Das findet man dann Jahre später und fragt sich, wie kam das Brot hier rein.
00:21:48: Vielen Dank, dass wir euch hier besucht durften.
00:21:50: Heute, es war sehr spannend und ich glaube, ich gehe jetzt auch mit ganz anderen Augen nochmal durchs Museum.
00:21:55: Ja, das ist doch schön.
00:21:57: Danke, Karin.
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