Family Affairs – 125 Jahre Buddenbrooks

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00:00:01: Reif fürs Museum!

00:00:04: Der Podcast der Lübecker-Museum.

00:00:11: Wir feiern in diesem Monat ein großes Jubiläum hier in Lübec vor hundert und zwanzig Jahren, also holt euch eine Taschenrechner raus wenn ihr das ausrechnen wollt.

00:00:23: Roman Buddenbrucks Verfall einer Familie veröffentlicht.

00:00:26: Ja, und dafür wurde er neunstenhundertneinundzwanzig mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

00:00:33: Ihm ist also gleich mit seinem ersten Roman ein literarischer Welterfolg gelungen.

00:00:38: das Buch wurde in mehr als vierzig Sprachen übersetzt und gehört immer noch zu den einflussreichsten und meist gelesenen Büchern in deutscher Sprache.

00:00:47: Ja, wenn das kein Grund ist für eine große Sonderausstellung hier in Lübeck sie ist ab dem dreißigsten Oktober im St.

00:00:54: Annen-Museum zu sehen und hat den Titel Family Affairs also Familienangelegenheiten.

00:00:59: und darüber wollen wir jetzt sprechen mit der Frau die sich so gut mit Thomas Mann auskennt wie keine andere ich würde jetzt fast behaupten auf der ganzen Welt.

00:01:07: es ist Dr.

00:01:07: Caren Heuer die Direktorin des Buddenbookhauses hier in Moin Karin.

00:01:12: Moin, ich muss wirklich korrigieren dass sich das über mich nicht annehme aber ja moin danke für die Einladung.

00:01:17: also

00:01:18: Christian liebt große Komplimente.

00:01:20: Ich liebe Superlativen.

00:01:21: ist es einfach so?

00:01:21: Ja hast du mal wieder unter Beweis gestellt?

00:01:24: Thomas Mann beschreibt in seinem Roman den Verfall der wohlhabenden Kaufmannsfamilie Buddenbrook im neunzehnten Jahrhundert hier in Lübeck.

00:01:33: Man könnte jetzt ja sagen, gut ein historischer Roman!

00:01:37: Was hat er denn heute mit mir noch zu tun und mir noch to sagen?

00:01:41: Ich verrate mal so viel – eine ganze Menge – das Thema Familie ist ja nach wie vor sehr

00:01:48: aktuell.

00:01:49: Ja, es geht in dieser Ausstellung um Themen die wir eigentlich alle kennen also um Erwartungsdruck gesellschaftliche Rollenmuster Konkurrenz unter den einzelnen Familienmitgliedern und auch um den Wunsch nach individueller Freiheit Also Themen, die im Roman vorkommen aber viele von uns immer noch abholen hier auch in der Gegenwart.

00:02:09: Ihr stellt Karin mit der Ausstellung Family Affairs einen ganz spannenden Bezug, also zur Gegenwart hier.

00:02:14: Und zum Beispiel um jetzt zu unserer ersten Frage zu kommen, Karin Konsul Buddenbrock sieht im Roman die Familie bzw deren Mitglieder.

00:02:25: ja sagt er das sind Gelieder einer Kette.

00:02:29: Also Caren Halt Oder Fessel?

00:02:32: Was ist Familie, welche Antworten gibt es darauf denn in der Ausstellung.

00:02:37: Das ist ja wahrscheinlich ambivalent nicht so schwarz-weiß.

00:02:40: Es ist schon ambivalend in der Formulierung Denn der Konsum schreibt dass seiner Tochter Toni Buddenbook als die einen Mann heiraten will den er nicht für sie vorgesehen hat.

00:02:49: Und in diesem Brief ist es eine Mahne der Erinnerung, auch du bist das Glied einer Kette.

00:02:53: Also man hört da schon die Ambivalenz wo persönliche Freiheit eben endet wenn Familie ihrer Erwartungen federliche Erwartung in diesem Fall auf Kinder treffen und mit deren Sehnsüchten und Träumen kollidieren.

00:03:05: wir erfahren dass sind unsere Ausstellungen an den Hauptfiguren des Romances beginnt bei Toni Bodenburg zum Beispiel Mit der Abstammungslinie selbst.

00:03:13: also in Buddenbooks erfahren wir auch das kennen wir alle wie erben auch biologisch Dinge bestimmte, ja auch psychologische Dispositionen und aber ganz sicher auch physische Disposition.

00:03:23: Wir haben die Nase der Großmutter vielleicht die Hauterkrankung der Tante

00:03:28: etc.,

00:03:28: also darum geht es viel in Buddenbooks.

00:03:31: Es gibt immer die blaue durch ederten Augen, die nichts Gutes verheißen etc.. Bei Christian geht es dann um anderes, der ist eigentlich überhaupt nicht geeignet für das was man für ihn vorgesehen hat.

00:03:41: Irgendeine Art von Kaufmanns da sein Jurist hätte auch noch werden können.

00:03:44: er interessiert sich eigentlich nur für das Theater und dass es nun so gar nicht das was zu seiner Herkunftsschicht passt.

00:03:50: also es geht doch immer um Klassenerwartungen in diesem Roman etc.

00:03:54: Und so existieren wir das einmal durch und am Ende wird man sehen was für mich jetzt immer beides Seil also Halteseil Rettungsanker vielleicht aber eben auch Fessel.

00:04:05: Und ich kann mir vorstellen, wenn man jetzt durch die Ausstellung geht.

00:04:08: Man stellt sich ja dann auch die eigenen Fragen zu seiner Familie?

00:04:12: Wir legen es schon auch darauf an, dass man das tut – die ganze Xenografie der Ausstellung!

00:04:17: Lässt, ich sage das despektierlich die ganzen Plünnen des neunzehnten Jahrhunderts einmal weg.

00:04:21: Es ist eine sehr moderne Szenografie.

00:04:25: Wir machen es überdeutlich.

00:04:27: diese Fragen beschäftigen uns alle unverändert.

00:04:30: Kannst du ein Beispiel aus dem Roman Buddenbooks - Verfall einer Familie nennen, dass du als besonders aktuell empfindest und das gut mit der heutigen Zeit und dem Thema Familie korrespondiert?

00:04:40: Thomas Buddenbook gilt immer als erster Burnout-Patient der deutschen Literaturgeschichte.

00:04:45: Und das ist auch richtig, der muss bereits als später Teenager mit sechzehn Siebzen musste die Firma übernehmen also den Getreidehandel der Buddenbooks.

00:04:52: Das ist eine Rolle, die Familie für ihn vorgesehen ist, dass weißer von Geburt an.

00:04:56: nie hat jemand gefragt ob er daran eigentlich Interesse hatte, ob er dafür begabt ist, ob das seinen Anlagen und Interessen entspricht?

00:05:03: Man kann an Thomas Buddenbook, der nachher sehr unglücklich wird gut sehen, dass es kein richtiges Leben im Falschen gibt.

00:05:12: Wenn wir ... Wir machen das jetzt so ein E-Mail relativ platt einen Beruf fehlen, der mit unseren Talenten gar nichts zu tun hat und unsere Neigungen nicht.

00:05:20: Dann kann er das richtig krankmachen!

00:05:23: Das kennen ja auch viele von uns?

00:05:25: Na klar.

00:05:25: Wir nicht aber ich hab davon gehört.

00:05:28: Ich hoffe, wir haben hier jetzt einen Job, der sehr viel Spaß macht Karen, wir leben ja heute freier und auch selbstbestimmter als die Familie im Roman.

00:05:37: Und es gibt auch viele verschiedene Lebensformen heute und der Begriff-Familie wird weitergefasst als damals.

00:05:45: Trotzdem einige Dynamiken in den Familienstrukturen des Romans können viele von uns bestimmt gut nachvollziehen wie zum Beispiel das schwierige Verhältnis der beiden Brüder Thomas und Christian Buddenbook könnte man sagen Einiges ändert sich nie, wenn es um Familie geht.

00:06:05: Und was hat denn Thomas Mann von seiner eigenen Familiengeschichte mit in den Roman reingenommen?

00:06:12: Also erst mal ist glaube ich richtig einiges änderte sich nie.

00:06:14: familiäre Strukturen eine Art das gegeben seitdem es Menschen gibt und es wird sie vermutlich auch immer geben.

00:06:20: Sie haben sich verändert.

00:06:22: Es sind teilweise selbst gewählte, nicht mehr nur biologisch begründete Familien.

00:06:27: Aber auch da haben wir familiäre Konstellationen mit genau den gleichen schon beschriebenen Phänomen von Konkurrenz und Streitigkeiten, Umnichtigkeiten

00:06:35: usw.,

00:06:37: einfach genervt sein voneinander, Dinge voneinander wechselseitig erwarten dann nicht einlösen können usw.

00:06:44: Zu Thomas Mann ja seine Familie Geschichte ist in diesem Roman verwurstet worden.

00:06:49: Mehr oder minder... Unter Klarnamen agieren die Figuren nicht, aber trotzdem haben sehr viele Menschen sofort begriffen.

00:06:58: Aha!

00:06:58: Weil diese Leute ja noch lebten?

00:06:59: Das ist doch die Tante Elisabeth, weil sie nicht auch zweimal geschieden wie Toni.

00:07:03: Dass die Umstände nicht ganz so dramatisch waren war dann auch schon egal und dieser Onkel Friedrich hatte doch überraschend starke Ähnlichkeiten mit Christian Buddenbook.

00:07:12: Auch dieser landete zwischendurch in einer Irrenanstalt hat sie allerdings wieder verlassen.

00:07:17: dieses Glück hat Christian Buddenbook im Roman nicht.

00:07:20: Also er hat schon eine ganze Menge Anlehnungen genommen, bezüglich seiner eigenen Familiengeschichte dann.

00:07:26: Er hat sich um das Vorsied auch zu drücken durch seine Familiengeschichten mindestens inspirieren lassen.

00:07:30: zu dem Romanium.

00:07:31: Das heißt ja auch immer Schreib über irgendwas was du kennst und dann wird ein gutes Buch draus.

00:07:35: und das kann man sicher nicht alles so... Die Realität ist ja immer stranger than Fiction.

00:07:40: Ein

00:07:40: gutes Buch ist geworden!

00:07:42: Bevor wir weiter über die Inhalte der Ausstellung reden, dass Buddenbookhaus in der Mengsstraße fiel wird ja gerade aufwendig renoviert, also das Haus in dem vor allem die Familie mann wohnte und dass Thomas Mann als Vorbild für das literarische Wohnhaus im Roman diente.

00:08:00: Ja

00:08:01: aber es gibt einen sehr guten Ersatz für unsere Zeitreise in des Jahr nineteen hundert eins.

00:08:06: Die Jubiläumsausstellung findet in St.

00:08:08: Annen-Museum statt und zwar in den Räumen in denen die Lübecker Wohnkultur im neunzehnten Jahrhundert gezeigt wird Also genau die Möbel Buddenbooks gutmaßlich dann umgeben haben.

00:08:21: Und das matcht ja richtig gut mit der Ausstellung, da können die Besuchenden sehr schön in die Zeit des Romans auch eintauchen?

00:08:28: Ja, das ist richtig!

00:08:29: Wir haben sehr viel Glück damit, dass wir im St.

00:08:31: Annemuseum zu Gast sein dürfen.

00:08:33: Das St.

00:08:33: Anemuseum ist so eine hin schon ein wunderschön fast magisch verzauberter Ort.

00:08:39: und in dem ersten Obergeschoss wo die Sonderausstellungsräume sind... Da gibt es plötzlich diese Welt der Buddenbooks.

00:08:44: Es gibt einen Musikzimmer Es gibt eine Kaufmann-Style mit genau der Ausstattung, wie sie im Roman beschrieben ist.

00:08:51: Wir sind genau richtig und deswegen bieten wir Aufführungen an die über unsere Ausstellung hinausgehen und dann die Spuren der Buddenbooks im Sankt Andem Museum

00:08:59: entdecken.".

00:09:00: So richtig zum Miterleben.

00:09:03: Karen, mit welcher Figur des Romanes hat sich Thomas Mann vor allem identifiziert?

00:09:09: Ja, das hat sehr viele schon seiner Zeit genossen gequält diese Frage.

00:09:13: Das irgendwie zu ergründen.

00:09:14: und in den berühmten Schlüsselisten die es gibt also indem Leute versucht haben die literarischen Figuren realen Menschen zu zuordnen ist das immer die größte frage.

00:09:22: Thomas Mann selbst passt immer nicht.

00:09:24: Also wird er immer identifiziert mit Hanno Hanno der Unglückselige stirbt aber mit sechzehn Jahren im Roman an Typhus.

00:09:30: Es konnte sich irgendwie so ganz aufgehen und Thomas Mann findet einen relativ in der Forschung relativ berühmten Aufsatzbilse.

00:09:36: und ich gesagt, von mir ist die Räder.

00:09:40: Von mir!

00:09:40: In jeder einzelnen Figur Thomas Mann steckt Tony Buddenbook genauso wie in Sesimi Weichbrot, den Glauben an Gott unter einen Wiedersehen nach dem Tod nicht aufgeben

00:09:49: mag.".

00:09:50: Also ein Kaladyskop von Thomas Mann in allen Figuren das finde ich ganz interessant.

00:09:54: Genau.

00:09:54: also kommt man ihm sehr nah wenn man das Buch liest?

00:09:59: Ja,

00:10:00: und aus den Brüchen von Thomas Mann seinen Ambivalenzen kommt man sehr nahe.

00:10:05: Weil diese sehr eine unglaubliche Figurendichte in dem Roman also über vierhundertzwanzig Figuren würde nicht sein dass Thomas Mann jeder einzelne Nebenfigur es sich abgebildet hat.

00:10:15: In den Hauptfiguren ganz sicher!

00:10:17: Und da die schon sehr unterschiedlich sind sieht man die Brüche des Autos glaube ich in all diesem in dem Kaleidoskop.

00:10:22: Ich fand das was schön gesagt der Figuren abgebilde.

00:10:24: ja

00:10:25: Ich finde ganz erstaunlich, Bundenbrooks war Thomas Manns erster Roman.

00:10:29: Er war damals zu vormundzwanzig Jahre alt noch ziemlich unbekannt und der renommierte Verleger Samuel Fischer sagte zu ihm Der Roman ist mit rund tausend Seiten zu lang.

00:10:40: Der muss gekürzt werden, und zwar um die Hälfte.

00:10:43: Das machte Thomas Mann aber nicht.

00:10:44: der Bestand auf jede Seite!

00:10:46: Ja das muss man sich mal noch mal ob der Zunge zergehen lassen.

00:10:49: also er war ja wirklich ein Nobody Und riskierte damit ja eigentlich die Veröffentlichung des Romans.

00:10:55: Also was hat Thomas Mann da geritten Karin?

00:10:57: War das selbstbewusst sein Größenwahn oder hatte er über die Konsequenzen gar nicht nachgedacht?

00:11:01: Oder spielte Geld einfach keine Rolle dass er einfach nein sagen konnte?

00:11:06: Er war schon sehr überzeugt von sich und seinem Talent.

00:11:08: Ich würde sagen, das war ausschlaggebend dafür.

00:11:11: Er hatte eine monatliche Panage oder Rente, die er als Halbweise bekam, bedingt durch den Tod des Vaters.

00:11:18: Davon konnte der Leben aber auch nicht wahnsinnig gut.

00:11:20: Und Thomas Mann hat es schon immer... Das hat ja gelernt als Patrizia-Sohn aus Lübeck.

00:11:25: Also er hatte schon immer einen Einfängel für die schönen Dinge des Lebens und auch ein bequemes Leben.

00:11:29: also mehr Geld hätte es gut sein dürfen.

00:11:32: Er ist dieses Risiko nicht veröffentlicht zu werden, ist er eingegangen.

00:11:36: Aber er hat gesagt, der hat den schönsten Brief seines Lebens geschrieben an Fischer.

00:11:40: als indem er diese Kürzungen abgelehnt hat und wir in der Forschung würden uns wahnsinnig für diesen schönen Brief seine Lebensinteressierende gilt als verschollen.

00:11:48: Wie schade!

00:11:49: Meinst du, er hat ihn verschwinden lassen?

00:11:52: Nein, ich glaube der ist tatsächlich im Verlag geblieben.

00:11:54: dieser Brief.

00:11:55: Das war ja nun ein jüdischer Verleger hat eine schwierige, also mehrere Umzüge einfach nachher in dem Exil gehabt und so weiter.

00:12:02: Ich denke das ist über den Wirren des Krieges und des Nationalsozialismus leider dieser schönste Briefer des Lebens verloren gegangen.

00:12:08: Hat mich auch sehr interessiert.

00:12:10: Könnte

00:12:10: ja noch irgendwo auftauchen?

00:12:12: Wir wissen jetzt nicht!

00:12:13: Als der Roman Buddenbook Verfall einer Familie in den letzten Jahren erschien, war das ja ein Skandal hier in Lübeck.

00:12:21: Obwohl der Name der Stadt Lübek im Rumania explizit gar nicht erwähnt wird.

00:12:27: Heute sind die Lübäckerinnen und Lübetger natürlich stolz auf Thomas Mann und seinen Roman.

00:12:32: Karin was hat sie denn damals so verärgert?

00:12:34: Und auf die Palme gebracht dass sein Name Thomas Mann an vielen armen Bruttischen gar nicht mehr genannt werden durfte?

00:12:43: Ich würde schon behaupten, dass es an dem erbarmungslosen Blick des Erzählers auf all diese Figuren liegt.

00:12:51: Keine einzige Figur kommt in diesem Roman ungeschönt davon.

00:12:56: alle werden beißend ironisch betrachtet und beschrieben in vielen Details.

00:13:00: Bei vielen Figuren wenn man genauer händelt sehen die auch wirklich alle nicht besonders gut aus.

00:13:04: Es ist ein brutaler Erzähler der uns da begegnet.

00:13:07: das aber macht den Text immer noch so lebendig.

00:13:11: bösartige Karikaturen und ich möchte das auch über mich nicht lesen.

00:13:15: Das steht da nicht im Roman, aber als zu kritisches würde man über sich in einem literarischen Text der dann noch ein großer Erfolg wird glaube ich auch nicht lesem wollen.

00:13:22: Aber es ist natürlich richtig heute freut man sich in Lübeck wenn man irgendwie seine Ahnen bis hin zu den Bodenbruchs nachweisen

00:13:29: kann.

00:13:30: Wir würden ja heute sagen, Thomas Mann hat ihm nicht nur die positiven Seiten eines Menschen beschrieben sondern auch seine Schwächen.

00:13:37: Also ein sehr umfassendes Bild.

00:13:39: Heute würde man sagen gut gelungen und da würde doch niemand sagen einen Skandal.

00:13:44: Ja du hast ja auch so diese lässige Position heute darüber zu stehen über dich ist ja auch nicht geschrieben worden bei China noch.

00:13:50: Es geht ja auch um sprachliche Beobachtungen zum Beispiel.

00:13:53: Also die Menschen werden in ihrer Phrasenhaftigkeit dargestellt als literarische Figuren.

00:13:58: dann und so weiter, das ist glaube ich schon eine Überzeichnung.

00:14:02: Das hat Literatur an sich, sie ist Kunst.

00:14:06: Und dennoch... also da sind schon Brutalitäten drin!

00:14:08: Das würde ich doch behaupten.

00:14:10: Man muss schon sehr viel Humor haben man muss schon gut über sich selber lachen zu können und es einfach wegzustecken und das konnte man augenscheinlich nicht.

00:14:18: könnte ich vielleicht auch nicht.

00:14:19: Also es muss man ehrlicherweise

00:14:21: sagen.".

00:14:21: Thomas Mann hatte in Lübeck eine Förderin, die bereits an ihn geglaubt hat als er noch sehr unbekannt war.

00:14:28: Die Schriftstellerin Ida Boyett, die hier in LÜBECK in der Wohnung im Burgtor gelebt hat.

00:14:34: Sie hatte einen intensiven Schriftverkehr mit Thomas Mann.

00:14:37: E-Mails und WhatsApp gab es ja damals noch nicht.

00:14:40: Man musste noch per Hand schreiben.

00:14:41: Und das Bunnenbroke Haus hatten nun gerade im September ... und siebzehn Postkarten erworben, eine kleine Sensation.

00:14:53: Ich dachte ja zu Thomas Mann ist alles erforscht!

00:14:57: Wo habt ihr denn diese Schriftstücke entdeckt Karin?

00:15:00: Die werden jetzt auch erstmals öffentlich in der Ausstellung gezeigt.

00:15:04: Ja, diese Briefe sind nicht unbekannt gewesen.

00:15:06: Sie tauchen in der Forschung in den Sehntunhundertfünfundsiebzig erstmalig auf.

00:15:10: also man wusste um ihre Existenz auch um den Inhalt aber es gab nur Kopien davon im Thomas Mann Archiv Zürich.

00:15:16: das heißt ja dann auch immer hinter verschlossenen ehrwürdigen Türen dieses Archives und Uns ist jetzt die Urenkelin von Ida Boyet herangetreten.

00:15:24: Das heißt, diese Briefe stammen aus privater Hand und das ist eigentlich die größte Sensation daran.

00:15:29: also ein Briefkonvolut von einem solchen Wert wird in der Regel über Auktionshäuser etc.

00:15:34: gehandelt auch oft filetiert.

00:15:36: wenn man also neunundfünfzig Briefer hat wie in diesem Fall verkauft man die lieber als auktionshaus einzeln weil man dann in der Summe sehr viel mehr Geld machen kann, als wenn man ein ganzes Konvolut zusammengeschlossen verkauft.

00:15:49: Und das ist jetzt alles aus privater Hand an uns herangetragen worden.

00:15:54: Das ist ja toll.

00:15:54: und in welchem Zustand sind diese Briefe und Karten?

00:15:58: In einem exzellenten Zustand auch.

00:16:01: Auch das ist natürlich wichtig für den Wert von diesen Dokumenten Wahnsinnig gut erhalten.

00:16:07: Das sagt ihr selbst, das war nicht Ihr Verdienst, sondern der schon des Vaters, der da sehr sorgsam mit umgegangen ist also mit Seitenpapier und etc.

00:16:15: Es wurde gut gepflegt und deswegen ist es auch besonders schön dass wir die ja jetzt zum ersten Mal in dieser Ausstellung überhaupt sehen können.

00:16:22: Und ich frage mich sofort in der Thomas Mann Forschung jetzt nicht so bewandert Wobei haben sich denn Thomas Mann und Ida Boyer zu ausgetauscht?

00:16:29: Was haben sie sich dann geschrieben?

00:16:30: Nun kennen wir größtenteils nur die Briefe von Thomas Mann.

00:16:33: Also dann ist es sehr logisch, also Thomas Mann hat ein Ida Boyet geschrieben, die hat diese Briefer aufbewahrt und die haben er jetzt gekauft.

00:16:41: Das heißt, wir wissen nicht zwingend was Ida boyett geantwortet hat.

00:16:45: das kann man sich denn aus den Zusammenhängen erschließen.

00:16:48: Sie haben sich auch politisch ausgetaucht, also wie wir es heute auch teten.

00:16:51: Was ist bei euch so los?

00:16:52: und hier in München?

00:16:53: Und allgemein nachher im Deutschen Reich?

00:16:56: Es ist ja ein achtundzwanzig Jahre Briefwechsel inklusive Erste Weltkrieggründung der Weimarer Republik.

00:17:02: Also ein ganzes System bricht zusammen, neues baut sich auf.

00:17:05: All das ist auch Thema in den Briefen aber auch sehr pragmatisches.

00:17:09: Thomas Mann hat sie dann in Lübeck besucht und hat seine Schmutzwäsche bei ihr vergessen.

00:17:12: Das schreibt ihr dann auch noch...

00:17:15: Hat sie wirklich viel in die Wäsche gewaschen?

00:17:17: Ich denke nicht, dass sie das persönlich gemacht hat.

00:17:19: Sie hatte vermutlich eine Waschfrau aber alles ein bisschen peinlich.

00:17:22: also ja so was steht da?

00:17:24: sehr lebenspraktisches steht da drin was irgendwie schön ist weil man das das sind ja also gerade schon muss man sein normaler mensch gewesen der schmutzwäsche produziert hat.

00:17:32: das muss uns schon doch immer wieder klar sein.

00:17:34: ne?

00:17:34: Das ist nicht der Großmeister den nur in seinem Schreibtisch saß und einen Menschen fernes Dasein geführt hat ohne Schmutz wäsche und das ist das ist toll dass es so absehbar wird und natürlich ist Lübeck immer der Der Fokus in diesem Austausch.

00:17:48: Aber das nicht auch an die schönen Stellen und solchen Briefwechsel, weil eben alles drin ist?

00:17:52: Die ganze Varianz und die Personen dann auch so menschlich werden.

00:17:56: Und Karin was es in dem Briefwechsel über Thomas Manns Roman Buddenbooks zu lesen hat ihm Ida Boyett

00:18:02: geschrieben

00:18:03: dass der Roman in Lübeck gar nicht so gut ankam.

00:18:06: Ja

00:18:07: und vor allem hat sie ihn darüber in Kenntnis gesetzt, dass sein Onkel Friedrich im Lübecker Generalanzeige eine Anzeige geschaltet hatte.

00:18:15: In dem er sich wehrt gegen die Verunglimpfung im Roman Buddenbooks als in der Figur Christian Buddenbook.

00:18:23: Er beschimpft seinen Neffen Thomas Mann als Nestbeschmutzer.

00:18:28: Das ist eine schon auch relativ große Anzeige gewesen und über all das erfährt Thomas Mann in München von Ida Boert in Lübeck.

00:18:35: Und er hat sich darüber wahnsinnig geärgert, hat aber auch gesagt – eine so alberne Annonce hätte mein Christian niemals geschaltet!

00:18:42: Und da sehen wir, dass es immer noch einen Unterschied gibt zwischen Literatur- und Realität.

00:18:46: Wo haben die beiden sich eigentlich kennengelernt?

00:18:48: Also Ida Boyert und Thomas Mann?

00:18:49: Na ja gut, Lüberg ist ne kleine Stadt.

00:18:51: Aber wo ist das passiert, weiß man das?

00:18:53: Ich weiß es nicht, irgendjemand weiß es vielleicht.

00:18:56: Meine Lapidaurantwort wäre ähnliche gesellschaftliche Kreise und beide Kultur- und Kunstbeflissen.

00:19:03: Lüberg war ja nun so groß nicht.

00:19:04: Das heißt also in der Lübercker Upper-Class Kultur kunstbeflissende Menschen zu finden.

00:19:10: das dürfte gar nicht so schwierig gewesen sein weil es so viele davon nicht gab und jeder bei etwa wirklich eine mit zehnen.

00:19:15: Also Thomas Mann hat später gesagt Sie hat ihn eigentlich entdeckt.

00:19:20: Sie war die Erste, die an mich geglaubt hat und das ist ein sehr schöner Satz.

00:19:25: Veranstaltet ihr Ida Boy Ed nicht auch in unregelmäßigen Abständen Salons?

00:19:29: Ja, das ist richtig!

00:19:30: Sie hatte einen Salon fast noch in der Kultur des neunzehnten Jahrhunderts.

00:19:34: Aber Thomas Mann dann vielleicht eventuell auch an Wesen gewesen sein?

00:19:37: Das

00:19:37: würde ich mir so vorstellen.

00:19:38: ja

00:19:39: Im Vergleich zu Thomas Mann ist die Schriftstellerin Ida boy Ed in Vergessenheit geraten.

00:19:45: Woran liegt das Karren?

00:19:46: Es gibt vermutlich zwei Antworten und hier eine ist jetzt seine Frau.

00:19:49: Frauen sind im Kanon der deutschen Literaturgeschichte in der Regel nicht vertreten.

00:19:53: Und wenn ja, dann können wir sie alle jetzt hier an einer Hand abzählen.

00:19:56: also das ist der eine Grund und der zweite ist so herausragend.

00:20:01: war es denn literarisch doch nicht was Ida Boyet produziert hat?

00:20:05: dass wiederum das möchte ich ein Schreck sagen hat nie Männer daran gehindert im besackten Kanon oft zu tauchen aber natürlich hatte auch ein bisschen etwas mit Qualität zu tun.

00:20:14: Aber Sie hat auch Eine wichtigere Rolle gespielt als Mäzenen, als Fördererin von Kunst und Kultur.

00:20:21: Und als solche ist sie in Lüberg ganz sicher nicht vergessen.

00:20:24: Wenn man heute noch hier ins Museum Behnhaus-Draeger Haus geht sieht man ein riesiges Porträt von Ida Boyat das ganz und gar fantastisch ist!

00:20:32: Dann hat sie ja auch ihr Talent entdeckt als Mäzenin und hat damit viele Talente wie Thomas Mann gefördert.

00:20:40: Und wer weiß, ob Thomas Mann diesen Roman ohne Ida Boyett überhaupt jemals geschrieben hätte?

00:20:45: Das muss man so sagen.

00:20:46: Man braucht schon jemanden der einen glaubt und einen Talent erkennt und einem Mut macht!

00:20:52: Man braucht ein Coach an der Seitenlinie.

00:20:54: Ja, und so jemand ist Ida Byatt in den Anfängen für Thomas Mann gewesen.

00:20:57: Schönes Bild – Coach an die Seitenlinien.

00:21:00: Karne es wird ein Begleitprogramm geben zur Sonderausstellung.

00:21:02: was habt ihr vorbereitet für die Family Affairs?

00:21:05: Wir feiern den Geburtstag, das Roman schon seit Januar.

00:21:08: Wir lesen gerade in Lübeck den Roman von Anfang bis Ende immer an wechselnden Orten einmal im Monat ein Kapitel.

00:21:16: dann sind wir bis zum Ende des Jahres damit durch, aber da lade ich alle noch herzlich zu ein.

00:21:21: Man kann auch jetzt noch einsteigen und November sind wir zum Beispiel im UKSH in der Klinik zu Gast mit dem Typhuskapitel also dem Kapitel in dem Hanno schwer erkrankt

00:21:30: usw.,

00:21:31: die Inhalte- und Ortebedingungen bei dieser Lesetour einander.

00:21:36: Ein Highlight ist immer bei uns Weihnachten beim Bodenbuchs.

00:21:39: weil das Buddenbookhaus nun geschlossen ist feiern wir es außer Haus in Kooperationen mit dem Literaturforum hier in Lübeck.

00:21:46: Ich freue mich besonders sehr.

00:21:48: Wir haben eine relativ lange Laufzeit mit dieser Ausstellung von über einem halben Jahr auf Timur.

00:21:52: Timur ist ein Influencer, der auf Instagram Klassiker der Weltliteratur bespricht und sich dabei schminkt.

00:22:02: Und das macht er unglaublich unterhaltsam!

00:22:04: Er hat es mal gemacht bei Buddenbooks und er hat so oft den Punkt betroffen.

00:22:07: in diesem winzigen kurzen Video von höchstens drei Minuten und so auf dem freu ich mich wahnsinnig.

00:22:12: Ich kenne bisher nur Klassiker der Weltliteratur, werden mit Playmobil nachgespielt.

00:22:16: Aber mit Schminken?

00:22:18: Das war mir neu!

00:22:19: Siehst du aber auch wieder was Neues dazu

00:22:20: gelernt?!

00:22:21: Die Sonderausstellung Family Affairs könnt ihr ab dem dreißigsten Oktober im St.

00:22:26: Anne Museum erleben.

00:22:28: Alle Infos rund um die Ausstellung und das Begleitprogramm findet ihr auf der Seite der Museen unter luebecker-museen.de.

00:22:36: Am neunundzwanzigsten Oktober gibt es dann die große Eröffnung auch mit Kulturstaatsminister Wolfram Weimar.

00:22:46: Ab zwanzig Uhr ist dann aber für alle geöffnet und ihr könnt kommen, und Zeit da auch kein Eintritt und könnt die Ausstellung da schon erleben!

00:22:55: Also Thomas Mann – Für Alle Und wenn ihr's an diesem Abend nicht schaffen solltet... ...und in den darauffolgenden Tagen, ihr habt noch genügend Zeit euch das anzusehen?

00:23:04: Die Ausstellung läuft noch bis zum sechsten Juni Und das ist kein Zufall, weil das ist Thomas Manns Geburtstag.

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